10 Podcast-Trends für 2026

Das Podcast-Jahr 2025 war von KI bestimmt: das amerikanische Start-up Inception Point AI flutete das Internet mit Slop, YouTube kündigte zahlreiche KI-gestützte Funktionen an, ElevenLabs erstellt jetzt KI-generierte Musik und die Washington Posts startete personalisierte Podcasts (und musste sich reichlich Kritik aus der eigenen Redaktion anhören).

Auch im kommenden Jahr werden wir nicht ohne KI auskommen. Doch, und davon bin ich überzeugt, die richtigen Inhalte zur richtigen Zeit spielen eine größere Rolle als effizientere Produktion durch KI.

Hier sind zehn Podcast-Trends, die 2026 bestimmen werden:

1. Hörer wollen Emergency-Podcasts

Als sich Elon Musk und Donald Trump im Frühjahr medienwirksam gestritten haben, veröffentlichte „Bloombergs“ Elon-Musk-Podcast „Elon Inc.“ sofort eine Folge, um über die Geschehnisse zu berichten. Als Sam Altmann kurzzeitig von OpenAI vor die Tür gesetzt wurde, erschien eine Emergency-Episode im Tech-Podcast der „New York Times“.

In diesen Episoden werden die Ereignisse kurz nacherzählt und dann von Experten, meist den Podcast-Hosts selbst, eingeordnet. Emergency-Podcasts sind sowas wie der ARD-Brennpunkt – nur oft etwas pointierter.

Die Politik-Podcasts „The Rest is Politics“ und „The Rest in Politics: US“erreichten mit diesen Notfall-Podcasts im Juni 1,8 Millionen Streams und Downloads innerhalb von 24 Stunden. Sie reagierten auf den Bomben-Angriff der Amerikaner auf den Iran. Tony Pastor, der Co-Gründer des Produktionsstudios Goalhanger sagte damals: „Wieder einmal sehen wir, dass sich das Publikum in Zeiten schneller Nachrichtenentwicklungen für Erklärungen und Analysen an Podcasts wendet.“

Die diesjährige Podcast-Pulse-Umfrage von Acast bestätigt diesen Eindruck: 29 Prozent der Befragten sagen, dass sie Podcasts nutzen, um Breaking-News-Events zu verstehen.

Hörerinnen und Hörer vertrauen ihren Lieblingspodcasts und erwarten Einordnung, wenn sich die Dinge schnell entwickelt. Ob Indie-Podcaster oder Verlagshaus: die Fähigkeit, schnell eine Folge zu produzieren, ist entscheidend.

2. Podcasts als Produkt denken

Podcasts sind vieles: Selbstverwirklichung, Marketing, Sales-Tool, Kundenbindungs-Maßnahme.

Was Podcasts nicht sind: ein RSS-Feed mit lauter unzusammenhängenden Folgen.

Wer professionell podcastet, muss Podcasts als Produkt begreifen, doch was bedeutet das?

Laut dem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Philip Kotler besteht ein Produkt aus drei Dimensionen: Core Benefit, Actual Product und Augmented Product.

Der Core Benefit ist der zentrale Nutzen deines Podcasts, also zum Beispiel Informationsvermittlung, Unterhaltung oder berufliche Weiterbildung.

Das Actual Product ist sowas wie die Verpackung: die Themenwahl, der Host, die Länge und Struktur der Episode oder das Branding. Die Dinge, die deine Hörer mit deinem Podcast verbinden.

Das Augmented Product umfasst alles Weitere drumherum: auf welchen Social-Media-Plattformen bist du aktiv? Welche Formate bietest du dort an? Gibt es Live-Events oder Merch? Wie interagierst du mit deiner Community? Das sind die Punkte, die dich von all den anderen Podcasts da draußen differenzieren.

Wenn du Podcasts als Produkt begreifst, bist du bewusst auf all diesen Dimensionen unterwegs.

Wie Podcasts zum Produkt werden, sieht man zum Beispiel an „Baby Got Business“ der Influencer-Strategin Ann-Kathrin Schmitz. „Baby Got Business“ ist eine eigene Marke. Neben dem Podcast gibt es täglich aktualisierte Instagram und TikTok-Profile, eine Website, Mentoring-Kurse und digitale Produkte. Es gab sogar mal eine Konferenz. All das richtet sich an Social-Media-Manager, die kreative und erfolgreiche Accounts aufziehen wollen.

Mittlerweile gibt es sogar noch einen zweiten Podcast-Feed, der sich noch klarer in Richtung Weiterbildung positioniert.

3. Podcasts als crossmediale Welt

2023 habe ich geschrieben, dass Podcasts zu Medienhäusern werden.

Dieses Jahr backe ich meine Brötchen etwas kleiner, aber ich bleibe bei meiner Grundaussage: Es reicht nicht mehr, einen Podcast zu haben.

Der neue Podcast des ZEIT-Redakteurs Christoph Amend, „Nur eine Frage” startet zugleich als Video-Podcast und als Newsletter. Als Sophie Passmann dieses Jahr ihren neuen Solo-Podcasts startete, kam der Instagram-Account von Anfang an mit dazu.

(Dass Solo-Podcasts das nächste große Ding werden, habe ich übrigens schon 2024 prophezeit.)

Wer heute einen Podcast plant, muss crossmedial denken. Das heißt nicht, dass man zwingend Videos produzieren muss. Es reicht allerdings nicht mehr, Instagram nur als Werbekanal zu denken und einen automatisierten Newsletter zu verschicken.

Stattdessen müssen sich Podcast-Creator fragen: Welche Information ist auf welchem Kanal richtig aufgehoben? Was erwarten Fans wo? Und wie kann ich die Wartezeit zwischen zwei Folgen möglichst angenehm gestalten?

4. Podcast-Vermarktung zwischen Manufaktur und Programmatic

Seit Anfang 2025 vermarkten die Podstars nur noch Business-Formate, das Produktionsstudio Pool Artists hingegen fertigt maßgeschneiderte Kunden-Konzepte und die RTL-Tochter Ad Alliance hat die Vermarktung von Podcasts ganz aufgegeben. Kurz vor Weihnachten hat Acast die Wake Word Studios übernommen und möchte crossmediale Kampagnen für Kunden entwickeln. Es bewegt sich was in der Werbevermarktung von Podcasts.

Die Zeit von einfacher Producer-Reads und Host-Reads ist nicht gänzlich vorbei. Viele Kunden haben nur kleines Budget und brauchen niedrigschwellige Werbeformate.

Doch die großen Budgettöpfe wird man mit Standard-Werbung nicht mehr lange gewinnen können. Podcast-Werbung wird 2026 vermehrt über spitze Zielgruppe und Kreativität funktioniert.

Umso klüger ist es als Creator übrigens, wie oben beschrieben, Podcast selbst als Produkte zu verstehen. Wenn ein Podcast mehr ist als nur ein RSS-Feed und etwa auch einen reichweitenstarken Instagram-Feed hat sowie ein Konzept für Live-Shows, gibt es für Marken mehr Anknüpfungspunkte.

Es ist auch möglich, dass sich durch KI der Wert von Host-Reads verändert. Denn was ist Werbung noch wert, wenn gar nicht sicher ist, ob der Host die Werbung eingesprochen hat oder einfach sein Klon?

5. AI-Slop oder auch Podcasts als Massenware

Ein großer Aufreger im Jahr 2025 war das Gebaren rund um die Firma Inception Point AI. Das Start-up rühmt sich damit pro Woche 3.000 Podcast-Episoden zu veröffentlichen. In jedem Produktionsschritt sorgten KI-Systeme für Beschleunigung. Ein menschlicher Check fand in den meisten Fällen nicht statt.

Es ist mehr eine Gefahr als ein Trend, den ich hier sehe. Denn Podcasts waren noch nie so einfach zu produzieren wie heute. Wie das Beispiel Inception Point AI zeigt, kann man jeden Schritt durch eine KI erledigen lassen.

Das Skript schreibt ChatGPT oder Google Gemini, Stimmen generiert und spricht ElevenLabs, schneiden in Descript und die Abformate erstellt Castmagic*.

Für Podcaster klingt das erst einmal nach Erleichterung. Es ist dumm und unnötig edel komplett auf KI zu verzichten. Aber Maß und Mitte zu finden, ist dabei entscheidend.

Podcasts leben von der intensiven Hörerbindung. Die entsteht dadurch, dass hinter dem Mikrofon Persönlichkeiten sitzen, die mit ihrer eigenen Stimme Gedanken, Gefühle und Geschichten einsprechen. Dieses Gerüst kann schnell einbrechen, wenn sich der Podcast nicht mehr authentisch anfühlt.

Die Frage ist also nicht, ob ein Podcast KI einsetzt, sondern wo und wie transparent er damit umgeht.

6. Automatisierte Podcasts

Immer mehr Medienhäuser und Tech-Firmen arbeiten an automatisierten Podcasts, die kurz und knapp Nachrichten zusammenfassen. Die BILD und goaudio erstellen jeden Tag einen News-Podcast. Das Rhein-Main-Gebiet wird durch die FAZ mit dem „Rhein-Main Feierabendbriefing” versorgt. Goole erstellt mit dem Feature „Daily Listen“ sogar ein personalisiertes Audio-Update.

Die Washington Post hat einen automatisierten Podcast, der von Nutzern individuell angepasst werden kann. Und hat sich damit in der eigenen Redaktion unbeliebt gemacht.

Der große Unterschied hierbei ist übrigens: es ist von Anfang an klar, dass die Formate automatisiert erstellt und mit KI produziert sind. Bei nüchternen Formaten wie News ist das sicherlich auch nicht schlimm. Stellt sich die Frage, auf welchen Gebieten werden automatisierte Podcasts von Hörern akzeptiert und wie stellt man sicher, dass die KI-Systeme nicht halluzinieren?

7. 2026 wird das Jahr des Vertrauens

Podcaster sind genau so vertrauenswürdig wie Journalisten (wenn es um Produktempfehlungen geht). Das zeigt der Podcast Pulse von Acast.

Dieses Vertrauen wird allerdings bedroht.

Natürlich steht auf der einen Seite künstliche Intelligenz, die uns daran zweifeln lässt, ob Dinge wirklich wahr sind.

Doch auch die Werbeakzeptanz von Hörerinnen und Hörer sinkt von Jahr zu Jahr. Gut zu beobachten ist das in der Podcast-Studie, die der Vermarkter Podstars jedes Jahr macht. Noch 2024 haben 21 Prozent der Befragten gesagt, sie würden den Produktempfehlungen von ihren Lieblingspodcastern „voll und ganz vertrauen“. Ein Jahr später unterstützen diese Aussage nur noch zehn Prozent.

Mich wundert das nicht, denn man hört überall die gleiche Werbung. Die Kaulitz Hills werben für günstigen Mobilfunk, in „Baywatch Berlin“ wird eine schlechte Amazon Prime-Serie angepriesen – ob das glaubwürdig ist, muss jeder für sich selbst beantworten.

Spannend finde ich daher den Schritt des Vermarkters soundsgood auf kreative Werbung zu setzen statt auf Massenware.

8. Podcasts brauchen Personenmarken

Menschen mögen Menschen. So weit, so banal.

Acht der zehn größten deutschen Podcasts auf Spotify sind personengetrieben. „Gemischtes Hack” wird nicht gehört, weil das Konzept hinter dem Podcast so genial sind – sondern weil Felix Lobrecht und Tommi Schmitt überzeugen und für etwas stehen.

Wie wichtig Personenmarken für Verlage sind, zeigt der Podcast „Ronzheimer” von dem Journalisten Paul Ronzheimer. Produziert wird die Show von Axel Springer, wo Ronzheimer auch als Reporter angestellt ist. Nur: auf dem Cover ist die Bild nicht als Absender zu sehen.

Vermutlich befürchtet Bild, dass ihr Logo auf viele Menschen abschreckend wirken könnte, während Ronzheimer als Journalist viel Vertrauen genießt.

In den USA ist auch Ezra Klein seinem Arbeitgeber, der New York Times, längst entwachsen. Das Logo der renommierten Zeitschrift prangt zwar noch auf seinem Podcast-Cover, aber Ezra Klein ist mittlerweile selbst eine Marke.

Für Verlage und Marken bedeutet das: eigene Gesichter und Stimmen aufbauen, die wiedererkannt werden.

9. Jeder will auf den großen Bildschirm

Nutzerinnen und Nutzer schauten sich im Oktober über 700 Millionen Stunden Podcasts auf Geräten im Wohnzimmer an. Im Jahr vorher waren es noch 400 Millionen Stunden.

SmartTVs werden als Abspielgerät für Content abseits der normalen Streaming-Dienste immer wichtiger. Erkannt hat das jüngst auch Instagram. Reels können Nutzer nun auch über den TV schauen.

Auch der Deal zwischen Spotify und Netflix ist Strategie. Netflix will ein Stück vom Podcastmarkt abhaben und Spotify braucht dringend ein Werkzeug, um mit YouTube mitzuhalten.

Für Podcasterinnen und Podcaster stellt sich somit die Frage: wie erstelle ich Inhalte, der auch auf großen Bildschirmen überzeugt? Und was für Inhalte wollen Menschen überhaupt im Wohnzimmer gucken?

10. Cozy Content statt True Crime

Are True-Crime Podcasts Losing Popularity?” fragt Frank Racioppi in Forbes. Dem Genre fehle Innovation und sei mittlerweile vor allem zur Gelddruckmaschine geworden. Ich stimme zu.

Formate wie „Verbrechen”, “Mordlust” oder „Mord auf Ex” dominieren in Deutschland zwar noch die Podcast-Charts und es schießen immer wieder neue Shows aus dem Boden – aber was wirklich neues oder überraschendes gab es lange nicht.

Stattdessen hinterlassen die meisten True-Crime-Formate mittlerweile einen schalen Nachgeschmack.

True Crime passt mit der Sensationslust immer weniger zum Zeitgeist. In den vergangene Jahren haben viele Menschen angefangen zu stricken, zu töpfern oder malen. Auf Instagram sprechen viele Creator von der Analog Bag: einer Tasche gefüllt mit Dingen, die man machen kann statt auf dem Handy seine Zeit zu vertrödeln.

Dazu passen Cozy Podcasts. Video-Podcasts, bei denen die Hosts nebenbei stricken – klar! Entspannte Solo-Podcasts, die klingen wie Tagebücher zu denen man nebenbei malen oder puzzlen kann – oh yes!

Bei Google Trends sieht man schon einen leichten Anstieg des Suchbegriffs „cozy podcast”.

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