Die Podcast-Strategien deutscher Medien

Wie podcasten deutsche Medien? Ob BILD oder Frankfurter Allgemeine Zeitung, mittlerweile hat jedes Medium ein ganzes Portfolio an Podcasts vorzuweisen. Doch nicht nur die Shows unterscheiden sich in Inhalt und Aufmachung, auch die Strategien der Medienhäuser in Deutschland sind grundverschieden.

Über viele Jahre wurden Podcasts von Medienhäuser kostenlos auf allen Plattformen angeboten. Mittlerweile verschieben immer mehr Verlage ihre Podcasts hinter die Bezahlschrank. DIE ZEIT hat sogar ein eigenes Podcast-Abo.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die verschiedenen Herangehensweisen der Verlage. Zudem werfen wir einen Blick auf die aktuellen ma Podcasts-Zahlen aus dem April 2026, um den Erfolg der einzelnen Ansätze bewerten zu können.

DIE ZEIT setzt auf Podcast-Abos

DIE ZEIT ist mittlerweile auch jenseits der Kernzielgruppe bekannt für ihre Podcast-Shows. ZEIT Verbrechen gehört zu den erfolgreichsten Podcasts Deutschlands und wurde sogar als Serie verfilmt. Insgesamt produziert DIE ZEIT aktuell 22 fortlaufenden Shows. Regelmäßig erscheinen zudem Storytelling-Formate.

Inhaltlich fokussiert sich DIE ZEIT besonders auf ihre Kernthemen: Politik, Gesellschaft und Wissen. Aktuell erscheinen allein sechs Podcasts, die das politische Geschehen beobachten und kommentieren, darunter der tägliche Nachrichten-Podcast „Was jetzt?“ sowie drei Formate, die sich mit dem Ausland beschäftigen: „Ok, America?“, „Servus. Gruezi. Hallo“ und „Der Ostcast“.

Im Bereich Gesellschaft kennt man die ZEIT vor allem durch ihr Aushängeschild „Verbrechen„, auch oft „ZEIT Verbrechen“ genannt. Nach „Was jetzt?“, der täglich erscheint, ist „Verbrechen“ der erfolgreichste Podcast der ZEIT gemessen nach monatlichen Gesamt-Downloads.

DIE ZEIT nutzt Podcasts gezielt, um Personenmarken und Gesichter aufzubauen. Sabine Rückert ist beispielsweise durch den „Verbrechen“-Podcast einer breiten Masse bekannt geworden. Auffällig ist auch, wie sehr Chefredaktion und Ressortleitung in die Podcasts eingebunden sind. Giovanni di Lorenzo hostet mit „Augen zu“ einmal im Monat einen Kunst-Podcast gemeinsam mit Florien Illies. Der zweite Chefredakteur, Jochen Wegner, moderiert sogar zwei Formate: die Interview-Podcasts „Alles gesagt?“ und „Nur eine Frage“.

Auch die renommierte Literaturkritikerin Iris Radisch ist involviert: sie bespricht in „Was liest du gerade?“ Bücher.

Seit Janaur 2026 ist ein Großteil des Podcast-Archivs der ZEIT hinter der Bezahlschranke und nur noch für zahlende Nutzer zugänglich. Die Wochenzeitung folgt damit dem Vorbild der New York Times.

Bereits im März 2025 startete die ZEIT ein kostenpflichtiges Podcast-Abo als Alternative zum vollwertigen ZEIT-Abo. Neben dem vollständigen Zugang zum Podcast-Archiv, haben Podcast-Abonnenten auch Zugriff auf exklusive Inhalte und Podcast-Serien. Das Podcast-Abo hat mittlerweile mehr als 30.000 zahlende Abonennten.

Viele Podcasts der ZEIT sind im Vergleich zu anderen Formaten sehr erfolgreich. Ausgewertet nach validen Downloads pro Folge, steht „Verbrechen“ im April 2026 mit 290.390 Downloads auf Platz 5 der ma Podcasts. „Alles Gesagt“ landet mit 187.009 Downloads auf Platz 11, „Ok, America?“ auf Platz 16 (157.614 Downloads).

PlatzierungShowValide Downloads pro neue Folge
5Verbrechen290.390
11Alles Gesagt187.009
16Ok, America?157.614
18Das Politikteil122.071
28Was jetzt?79.338
29Augen zu79.965
30Wie war das nochmal?76.789
32Woher weißt du das?71.820
40Servus. Gruezi. Hallo.61.462
42Die sogenannte Gegenwart57.590
45Unter Pfarrerstöchtern56.526

Von 22 laufenden Podcasts landen insgesamt elf in der Top-50-Auswertung der ma Podcasts nach validen Downloads pro neuer Folge. DIE ZEIT ist damit das erfolgreichste Medienhaus in dieser Auswertung.

Mittlerweile veranstaltet DIE ZEIT jedes Jahr ein Podcast-Festival, um die verschiedenen Formate vor ein Live-Publikum zu bringen. Parallel wird das Event auf ZEIT ONLINE gestreamt. Zudem sind Podcasts ein fester Bestandteil der Eventformate der ZEIT, wie der Langen Nacht der Zeit und dem Zukunftsfestival Z2X.

Das Podcast-Geschäft der ZEIT wird von Ole Pflüger und Constanze Kainz geleitet. Mounia Meiborg leitet den täglichen Nachrichten-Podcast „Was jetzt?“. Die Produktionen werden von dem Berliner Produktionsstudio Pool Artists umgesetzt, das wiederum von Maria Bokelberg geleitet wird. Vermarktet werden die Podcasts von der iq digital, einer Tochter der Handelsblatt Media Group.

DER SPIEGEL konzentriert sich auf Politik

DER SPIEGEL verwaltet ein kleines Audio-Portfolio von fünf regelmäßig erscheinenden Podcasts und zwei seriell veröffentlichten Formaten. Das Nachrichtenmagazin konzentriert sich vor allem auf Politik. „Die Lage“ ist der zweimal tägliche Nachrichten-Podcast, im „Spitzengespräch“ interviewt Markus Feldenkirchen Menschen aus Politik und Gesellschaft und „Acht Milliarden“ schaut aufs Ausland. Gemeinsam mit dem österreichischen Standard veröffentlicht der SPIEGEL zudem „Inside Austria

Etwas lebensweltlicher wird es bei „Smarter Leben“: Host Lenne Kaffka spricht mit Experten über Themen wie Gesundheit, Selbstwirksamkeit und Partnerschaft.

Die Podcast-Serie „Firewall“ erzählt von den großen Recherchen des Investigativmagazins. „Im Verhör“ von SPIEGEL TV blickt auf Kriminalfälle und das Innenleben von Clans und Gangs.

Die Podcasts vom SPIEGEL sind auf allen Plattformen frei verfügbar. Neue Storytelling-Serien werden meist zuerst für Abonnenten veröffentlicht.

In der Vergangenheit hat der SPIEGEL viel mit Kooperationen experimentiert. 2021 etwa startete es gemeinsam mit der Amazon-Tochter Audible den täglichen Nachrichten-Podcast „SPIEGEL Daily“. 2023 wurde das Projekt eingestellt. Gemeinsam mit Spotify erschien der Storytelling-Podcast „Ausverkauft“. Zuletzt arbeitete der SPIEGEL gemeinsam mit der Produktionsfirma von Khesrau Behroz, UNDONE, an einem Format über Amanda Knox.

In den Top 50 der Podcasts nach validen Downloads pro neuer Folge im April 2026 taucht der SPIEGEL mit zwei Formaten auf: dem Auslandspodcast „Acht Milliarden“ sowie dem Selbsthilfe-Podcast „Smarter Leben“.

PlatzierungShowValide Downloads pro neue Folge
26Acht Milliarden83.699
31Smarter Leben76.246

Der SPIEGEL bündelt die redaktionelle Arbeit im Bereich Audio, Video und Social Media im Ressort Crossmedia. Geleitet wird das Team von Johanna Röhr und Anne Martin.

Die BILD räumt die Charts von hinten auf

Auch die Boulevardzeitung BILD investiert ins Podcast-Geschäft. Mittlerweile laufen elf Formate unter dem Markendach der BILD. Besonders umtriebig und erfolgreich ist die BILD mit Sport-Podcasts. Der tägliche Podcast Stammplatz gehört mit über 800.000 monatlichen Downloads zu den erfolgreichsten Fußball-Podcasts. Auch Reif ist live und Phrasenmäher finden sich unter den Top 200 der ma Podcast Auswertung (Platz 117 und 162). Das BILD News Update schafft es auf Platz 61 mit 415.000 Downloads im Juli.

Neben Sport betreibt BILD u.a. noch das Promi-Format Zuckerbrot & Peitsche und den Mallorca-Podcast Das 17. Bundesland, die es jedoch nicht in die Auswertung geschafft haben. Im August startete zudem ein neuer Podcast mit BILD-Vize Paul Ronzheimer.

Auch die BILD hält bei Podcasts nichts von Paywalls. Alle Formate sind frei über jegliche Audio-Streamingdienste zugänglich, Abonnent*innen genießen keine Abovorteile. Auch mit Partnerschaften hat man sich bisher zurückgehalten.

PlatzierungShowValide Downloads
14RONZHEIMER.172.656

Für Podcasts ist bei der BILD Stefan Netzebrandt verantwortlich, der neben dem Audio-Bereich auch das Thema Newsletter leitet. Die Vermarktung übernimmt die Seven.One.Audio, eine Tochter der ProSiebenSat.1 Media SE.

Die Süddeutsche Zeitung setzt auf Plus-Podcasts

Das bekannteste Podcast-Projekt der Süddeutschen Zeitung war lange „Wirecard: 1,9 Milliarden Lügen“, das die Zeitung gemeinsam mit Spotify umgesetzt hat. Doch mittlerweile ist das Portfolio der SZ viel größer.

Insgesamt bespielt die Süddeutsche Zeitung acht Formate regelmäßig, die meisten erscheinen jedoch hinter der Paywall. Dazu kommen Podcast-Serien wie jüngst „Eine Frau namens Naddel“ oder die Kooperation mit dem Team hinter „Mordlust“ für den Podcast „Die Jägerin“.

Zu den frei verfügbaren Shows gehören der lokale Podcast „Hey München“ sowie der Nachrichten-Podcast „Auf den Punkt“.

Im Gegensatz zu anderen Medien setzte die Süddeutsche Zeitung schon früh auf Paid-Podcasts, die nur für Abonnentinnen und Abonnenten der SZ verfügbar sind. Meist ist nur die erste Folge für alle als Teaser frei verfügbar.

Im März 2026 startete die Süddeutsche Zeitung einen Kurz-Podcast auf WhatsApp, der sich vor allem an jüngere Zielgruppen richtet.

Das Audio- und Videoteam wird bei der SZ von Patrick Bauer, Laura Terbel und Antonia Franz geleitet. Vermarktet werden die Inhalte von der iq digital.

Frankfurter Allgemeine Zeitung mit breitem Programm

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat über die vergangenen Jahre ein vielfältiges Angebot für Hörerinnen und Hörer zusammengestellt. Ob Literatur, Recht oder Politik, die FAZ hat einen Podcast darüber. Insgesamt elf Formate senden regelmäßig Wissen und Unterhaltung aus der FAZ-Redaktion.

Als Flaggschiffe der FAZ gelten die täglichen Nachrichten-Podcasts: Der „F. A. Z.-Frühdenker“-Podcast gibt jeden Morgen einen kurzen Überblick über die wichtigsten News des Tages. Am Nachmittag ordnet der „F.A.Z. Podcast für Deutschland“ die Geschehnisse mit Interviews ein.

Darüber hinaus gibt es mit „F.A.Z. Einspruch“ ein Format über Recht und mit „Finanzen und Immobilien“ einen Podcast über Vermögen und Kapital. Gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung betreibt die FAZ zudem einen Geschichts-Podcast. Die regelmäßig erscheinenden Shows sind frei auf allen Plattformen zugänglich.

Mit dem Podcast „Die VW-Story – Eine Legende kämpft ums Überleben“ publizierte die FAZ im Mai das erste Storytelling-Format. Die ersten zwei Folgen sind frei verfügbar, die restlichen vier nur für Menschen mit Abonnement.

PlatzierungShowValide Downloads insgesamt
16F.A.Z. Podcast für Deutschland1.871.418

Andreas Krobok leitet das Audio- und Video-Team der FAZ. Vermarktet werden die Formate von iq digital.