Der Reuters Digital News Report analysiert seit 14 Jahren, wie Menschen Nachrichten konsumieren. In diesem Jahr stehen unter anderem künstliche Intelligenz und News Creator im Fokus des Berichts.
In Deutschland wurden rund 2.000 Menschen befragt, global waren es fast 100.000. Insgesamt untersucht der Report das Nachrichtennutzungsverhalten in 48 Ländern.
Für Soundbett habe ich mir angeschaut, welche Erkenntnisse für Podcaster und Creator drinstecken. Egal, was ihr im Bereich Medien macht, der Report lohnt sich. Hier geht es zu der ganzen Sammlung direkt beim Reuters Institute for the Study of Journalism.
1. Social Media und Videoplattformen erstmals wichtiger als News-Seiten
2026 sind Plattformen wie YouTube, Instagram und TikTok erstmals der meistbenutzte Weg, um News zu konsumieren. Global nutzen 54 Prozent solche Plattformen, um sich zu informieren. Damit sind sie als Nachrichtenquelle erstmals populärer als TV-Nachrichten und Nachrichten-Websites.
In Deutschland ist dieser dramatische Wandel noch nicht eingetreten. Hier dominiert weiterhin das Fernsehen mit 59 Prozent. Dahinter folgen Nachrichten-Websites und -Apps mit 47 Prozent und dann erst Social Media mit 36 Prozent.

Gegenüber dem Vorjahr hat Social Media noch einmal drei Prozentpunkte gewonnen, während sowohl das Fernsehen als auch Nachrichten-Websites und -Apps jeweils zwei Prozentpunkte verloren haben.
Besonders interessant ist ein Vergleich mit den USA. Social Media ist dort die wichtigste Nachrichtenquelle. Schon zehn Prozent nutzen KI-Chatbots, um Nachrichten zu konsumieren. 14 Prozent nutzen Podcasts, nur noch acht Prozent greifen zu Print.
Das bedeutet für Podcaster und Creator: Der Medienwandel vollzieht sich in Deutschland deutlich langsamer als in anderen Ländern. Im Vergleich spielen Fernsehen, aber auch Radio, immer noch eine relativ große Rolle. Vor allem Social Media (YouTube eingerechnet) dürfte in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
2. News-Podcasts verlieren (leicht) an Bedeutung
In Deutschland nutzen acht Prozent News-Podcasts. Das ist ein Prozent weniger als im Vorjahr. Global liegt der Anteil unverändert bei 11 Prozent. Das könnte bedeuten, dass eine Sättigung erreicht ist. Oder dass sich der Konsum zu anderen Mediengattungen verschiebt.
Der Digital News Report gibt darauf keine Antwort. In Deutschland sind von einem Jahr zum nächsten nur der Konsum von Social Media und von KI-Chatbots gewachsen. Gut möglich, dass das Publikum dorthin abgewandert ist.
Das bedeutet für Podcaster und Creator: So oder so: Der Markt für klassische News-Podcasts ist besetzt.
3. YouTube ist die wichtigste algorithmisch gesteuerte Plattform
60 Prozent der befragten Deutschen geben an, in der letzten Woche YouTube genutzt zu haben. Das sind neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Nur WhatsApp wird mit 83 Prozent von mehr Menschen genutzt. Als vorwiegend privat genutzte App ist WhatsApp allerdings kaum mit YouTube vergleichbar.
Als öffentliches Netzwerk ist YouTube damit mit Abstand die wichtigste Plattform, um Menschen zu erreichen. Dahinter folgen mit 46 Prozent Instagram und mit 44 Prozent Facebook. TikTok liegt weit abgeschlagen mit 19 Prozent auf Platz 5.

Schon lange schreibe ich auf Soundbett, wie relevant YouTube geworden ist. Der Report ist nur ein weiteres Indiz.
Angekommen ist das zum Beispiel auch beim amerikanischen Nachrichtenmagazin „The Atlantic“. Die haben gerade angekündigt, massiv in Video-Inhalte zu investieren. Auch der neu gegründete Wagniskapitalgeber Goalhanger Ventures investiert zunächst in zwei Creator, die vor allem YouTube-Inhalte produzieren. Sicherlich kein Zufall.
Das bedeutet für Podcaster und Creator: YouTube ist aktuell die wichtigste Plattform im Internet und sollte strategisch priorisiert werden. Wer keine YouTube-Strategie hat, sollte jetzt eine entwickeln.
4. Die Zahlungsbereitschaft der Deutschen sinkt
Nur 11 Prozent der Deutschen zahlen für Online-Nachrichten. In den zwei Jahren davor lag der Wert bei 13 Prozent.
Auch wenn sich die Studien nicht direkt vergleichen lassen, lohnt sich ein Blick auf eine aktuelle Befragung des Beratungsunternehmens BearingPoint. Der durchschnittliche Haushalt zahlt demnach 62 Euro im Monat für Abos wie Spotify oder Netflix. Das sind sieben Euro mehr als im Vorjahr. Fast jeder fünfte Haushalt zahlt sogar über 100 Euro. Laut der Umfrage geben zudem 28 Prozent der Deutschen Geld für Inhalte von Influencern oder Content Creators aus.
Wenn der Vergleich auch unperfekt ist, beweist er doch die geringe Zahlungsbereitschaft gegenüber News im Speziellen.
Martin Fehrensen teilt im Social Media Watchblog zudem eine interessante Entdeckung: Bei den 25- bis 34-Jährigen ist die Zahlbereitschaft in Deutschland von 15 auf 22 Prozent gestiegen. Er führt das auf ein Bedürfnis nach Fachinformationen zurück.
Das bedeutet für Podcaster und Creator: Die Bereitschaft, für Extra-Inhalte Geld zu bezahlen, ist da. Es kommt aber – wenig überraschend – auf den Inhalt an.
5. Redaktionen vereinen Audio, Video und Social
Da Social Media und Podcasts sich immer mehr Richtung Video entwickeln, legen Redaktionen die Funktionen zunehmend zusammen. Im Report wird der Tagesspiegel erwähnt, der Anfang des Jahres das Team „Voice und Vision“ gründete. Bereits ein Jahr vorher gründete der SPIEGEL das Crossmedia-Ressort, in dem ebenfalls die Teams für Social, Audio und Video aufgingen.
Das bedeutet für Podcaster und Creator: Podcasts nur noch als Audiofile zu denken und Social Media als Bild-Posts ist überholt. Stattdessen muss integriert gedacht werden. Das gilt für große Redaktionen, aber auch für Solo-Creator.
6. Die Hälfte der Deutschen sind wegen Falschinformationen besorgt
49 Prozent der Deutschen sind besorgt, online Falschinformationen zu konsumieren. Letztes Jahr lag der Anteil noch bei 42 Prozent, 2022 sogar bei nur 32 Prozent.
Nun ist die Frage, wie man diese Antworten interpretiert. Denn das Netz ist voll von Desinformationskampagnen. Spricht der hohe Wert also dafür, dass immer mehr Menschen erkennen, wie viele Fake News im Internet verbreitet werden, und dadurch vorsichtiger surfen? Oder sinkt das Vertrauen in öffentliche Informationen?
In Ländern wie Amerika (75 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (77 Prozent) sind die Werte übrigens noch krasser. Etwas weniger besorgt ist unser Nachbarland Österreich (46 Prozent).
Das bedeutet für Podcaster und Creator: Authentizität galt lange als Buzzword in der Creator Economy. Aber jetzt ist es Zeit für Vertrauen. Das bedeutet zum einen, transparenter mit Quellen umzugehen, aber auch selbstkritisch zu hinterfragen, wie angespitzt man die eigenen Inhalte verkauft.
7. Deutsche konsumieren lieber Journalismus als Creator
Im globalen Durchschnitt sagen bereits 13 Prozent, dass ihr Informationsbedürfnis vollständig oder fast vollständig durch Creator gedeckt wird. In Nigeria sind es 34 Prozent, in Kenia 33. Auch die USA liegen mit 15 Prozent über dem Durchschnitt.
Deutschland bewegt sich am unteren Ende der Skala. Nur sieben Prozent sagen, dass ihr Informationsbedürfnis vollständig oder fast vollständig durch Creator gedeckt wird.
Die Personen, die bereits Inhalte von Creators konsumieren, heben vor allem hervor, dass man ihnen besser folgen könne und die Darbietung unterhaltsam sei. Zudem könne man sich mit Creatorn identifizieren.
Das bedeutet für Podcaster und Creator: Vor allem die Zugänglichkeit wird von vielen geschätzt. Das ist ein Punkt, an dem man ansetzen kann, wenn man ein möglichst breites Publikum erreichen will.
